Gedankenfrei -Wenn Perfektionismus die Freiheit raubt

Hallo ihr Lieben,

Kennt ihr dieses Gefühl, wenn ihr was neues beginnt und das nicht so gelingt, wie wir wollen? Diese Wut und die Enttäuschung. Der Starke Wille alles von Anfang an perfekt zu machen. Doch wann ist jemals ein Meister vom Himmel gefallen?

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In meiner Ausbildung zur Ergotherapeutin lernen wir im ersten Jahr verschiedene Handwerke, zum Beispiel Filzen, Bildnerisches Gestalten oder Arbeiten mit Holz. Und dadurch, dass wir alle verschiedene Vorerfahrungen haben, ist jeder auf einem anderen Stand. Das arbeiten mit Holz fällt mir persönlich sehr leicht, weil ich seit Jahren auf Bauspielplätzen mit Holz arbeite. Aber Bildnerisches Gestalten dagegen fällt mir sehr schwer. Ich hatte in der Schule einen wirklich grausamen Kunstunterricht und dadurch nie Interesse mich künstlerisch ausdrücken zu wollen. So waren mir auch Pastellkreide oder Aquarell gänzlich fremd. Andere aus meiner Klasse hingegen malen als Hobby auch zu Hause und sind sehr gut darin, ihre Ideen einfach und schnell um zu setzen. Natürlich ist das frustrierend, denn ich musste bei Null anfangen.

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Doch wir haben einfach die tollste Dozentin, die man sich nur wünschen kann. Bevor wir auch nur einen Strich aufs Papier bringen durften, erklärte sie uns, wie unwichtig es ist ein perfektes Bild zu erschaffen. Vielmehr sollen wir uns ausprobieren, die verschiedenen Techniken testen und auch mischen. Was passiert zum Beispiel, wenn ich mit Pastell über Acryl male? Wir sollten uns einfach mal frei machen und beobachten, wie wir an das Werk gehen. Bin ich schnell frustriert? Vergleiche ich mit anderen? Wieso ärgert es mich, dass das Bild nicht perfekt ist? Es ist nur ein Bild. Nicht mehr und nicht weniger.

Und während wir um ein kleines Foto ein ganzes Bild ergänzen sollten, dachte ich mir, ich werde mich mal nicht mit den anderen vergleichen. Ich probiere einfach mal alles aus, worauf ich Lust habe und gucke was passiert. Egal ob es am Ende schön wird oder nicht. Es ist mein erstes Bild in dieser Art und aus allen Fehlern werde ich lernen können.

Und tatsächlich konnte ich dank meiner Dozentin und meines neuen Mantras ganz entspannt arbeiten. Ich konnte mich fallen lassen und meiner Kreativität freien lauf lassen. Und obwohl es zwischenzeitlich echt grausam ausgesehen hat, bin ich mit meinem Bild mehr als zufrieden.

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Und irgendwie hat mich das zum Nachdenken bewogen. Denn diesen Perfektionismus gibt es nicht nur, wenn ich beim Handwerksunterricht sitze. Der Perfektionismus trifft mich täglich und überall. Wenn ich jemanden in der Stadt sehe, der sich gut kleidet und ich mich frage, wieso ich nicht so gut kombinieren kann. Oder wenn ich auf Instagram unterwegs bin und mich frage, wieso ich nicht genauso gute Fotos machen kann. Oder auch in Prüfungen, wenn andere mal wieder besser waren.

Perfektionismus ist in jeder kleinen Ecke. Und er hindert uns daran wirklich aus dem Schatten zu kommen. Wenn ich krampfhaft versucht hätte mein Bild perfekt zu gestalten, hätte ich 5x neu angefangen und irgendwann aufgegeben, weil ich es nie so hinbekommen hätte, wie ich es perfekt hätte haben können. Natürlich kann Perfektionismus uns ehrgeizig machen. Doch wenn wir ehrlich sind, ist nichts perfekt und das was wir durch den Perfektionismus erreichen wollen, werden wir niemals erreichen.

Deshalb nehme ich mir für die Zukunft vor, mehr auszuprobieren und weniger der Perfektion nach zu streben.

Alles Liebe, eure

lina

P.S.: Die Kolumne von der Mareike findet ihr hier. Sie ist meine Partnerin in Crime und liefert in der Serie Gedankenfrei immer noch eine ganz andere Sicht auf die Dinge, die uns so im täglichen Leben beschäftigen.

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2 Gedanken zu “Gedankenfrei -Wenn Perfektionismus die Freiheit raubt

  1. Hm, ein sehr interessantes Thema. Perfekt sein…Nun, ich sehe es einfach so an, jeder der sein Bestes gibt, egal in welchem Bereich auch, ist in dem was er macht „Perfekt“. Jeder hat doch eine andere Sichtweise bzw. Einstellung zum „Perfektsein“. Ich denke auch, es gibt auf der Welt keine Person die zu 100 % Perfekt ist. Vielleicht meinen einige sie wären es, aber – wie ich schon geschrieben habe – jede Person denkt anders über Perfektionismus. Ich halte es wie mir meine Großeltern schon gesagt haben: Mache dein Bestes und das reicht aus, mehr kann man dann eh nicht machen. So solltest du es auch auf lange Sicht sehen. Du bist so wie du bist perfekt…Liebe Grüße, britti

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